Ein Problem - Die Afrikanische Textilindustrie vor dem Kollaps

Ausgangspunkt einer Unternehmensgründung ist immer ein Kundenproblem, das es zu lösen gilt. Im Kern geht es darum, ein Werteangebot zu schaffen, für das Kunden bereit sind zu zahlen. Im Falle eines Social- oder Eco-Business ist es m.E. allerdings nicht nur ein Problem des Kunden, sondern viel mehr ein gesellschaftliches oder ökologisches Problem, das es durch unternehmerisches Engagement zu lösen gilt. Die große Kunst dabei ist der Spagat, ein Angebot zu schaffen, das für den Kunden attraktiv ist und gleichzeitig den gesellschaftlichen Missstand oder die negativen Umweltauswirkungen reduziert. 

 

Schaut man sich den Fall afrikanischer Wachsdruckstoffe an, gibt es ein sehr eklatantes Problem, das mittlerweile die ganze afrikanische Industrie bedroht: billige Imitate und Fälschungen aus asiatischen Ländern, zumeist aus China. 

Auf den ersten Blick könnte man die Produktion und den Verlust von Marktanteilen durch billigere Imitate noch als klassische Wettbewerbssituation bezeichnen, in der ein Anbieter es schafft, seine Konkurrenz durch effizientere Produktionsbedingungen preislich zu unterbieten. Das ist ja der Grund, warum die ganze Welt in Billiglohnländern wie China produzieren lässt und mal abgesehen davon, dass man die Marktwirtschaft an sich kritisieren kann, eine „normale“ Entwicklung. Doch ist es bei genauerer Betrachtung nicht nur eine effiziente Arbeitsteilung durch komparative Kostenvorteile à la David Ricardo, sondern ein unfairer Kampf, bei dem die afrikanischen Produzenten den Kampf gegen Produktpiraterie nicht gewinnen können.

 

Zwar haben viele asiatische Länder afrikanischen gegenüber einen klaren Lohnkostenvorteil, doch erklärt dieser nur einen Teil des Preisvorteils der günstigen Imitate. Denn viele der Imitate werden illegal in afrikanische Länder eingeführt und an Zöllen und Steuern vorbei bis auf die großen Märkte des Kontinenz geschmuggelt. Nicht nur, dass afrikanische Hersteller mit den billigen Produktionsbedingungen Chinas nicht mithalten können, auch den Staaten entgehen Einnahmen aus Zöllen und Steuern. Zudem werden Fälschungen, also originalgetreue Kopien, auf den Markt geschmuggelt. Schätzungsweise sind es mittlerweile rund 85% gefälschte Ware, die den Markt in Westafrika dominieren. 

 

Das Vorgehen der Fälscher ist außerordentlich effektiv. Muster werden kopiert, geschützte Marken gefälscht und falsche Herkunftsorte angegeben. Beliebte Stoffe werden mit dem Smartphone abfotografiert, an asiatische Produktionsstätten versandt, dort nachgeahmt, produziert und nach Afrika gebracht. Das alles in einer nie da gewesenen Geschwindigkeit. Initiativen zum Schutz der afrikanischen Industrie verliefen bislang ohne nennenswerte Erfolge. Häufig wissen nicht einmal mehr die afrikanischen Kleinhändler, dass ihre Stoffe um den halben Globus gereist sind (was auch wir schmerzhaft erfahren mussten) und nicht aus ihren oder anderen afrikanischen Ländern kommen. Diese Entwicklung kostete abertausende von Arbeitsplätzen und viele ArbeitnehmerInnen können ihre Qualifikationen nicht mehr einbringen. 

 

Die einst boomende Textilindustrie für afrikanische Stoffe steht nun kurz vor dem Kollaps. Verschwinden würde mit ihr nicht nur ein bedeutender Wirtschafts- und Entwicklungsfaktor in vielen Ländern, sondern auch ein Stück der traditionell verankerten Kultur, die sich um die Stoffe, ihre Designs, Herstellung und Nutzung entwickelt hat.

 

Die Idee hinter True Fabrics ist es, dieser Entwicklung mit unternehmerischer Schaffenskraft entgegen zu wirken. Natürlich ist uns bewusst, dass es nur ein marginaler Einfluss ist, den wir mit unserem Handeln auf diese Entwicklung haben können. Gerade zu Beginn wird unser Beitrag vor allem in der Sensibilisierung für die Problemlage liegen, als in wirtschaftlich messbaren Ergebnissen. Aber irgendwo müssen wir anfangen, lieber mit kleinen Schritten, als gar nicht, denn „der Anfang ist der wichtigste Teil der Arbeit.“ (Plato)


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